Der Rauch kroch ihnen in die Lungen, ein beißendes Gemisch aus verbranntem Isolierstoff, altem Öl und etwas Chemischem, Süßlichem. Heinrich zog seinen Pullover über Mund und Nase, während er und Nadja Klaus zwischen sich gestützt die letzte Stufe der Wendeltreppe hinabstiegen. Jeder Schritt war eine Qual für Klaus, dessen Atmen zu einem flatternden, pfeifenden Geräusch geworden war. Sein Gewicht lastete schwer auf Heinrichs Schulter.
„Die Tür zum Hof“, keuchte Nadja und nickte mit dem Kopf in Richtung eines schmalen, von Ruß geschwärzten Stahltors neben den ausgebrannten Überresten der Schaltzentrale.
Heinrich stieß es mit der Schulter auf. Kalte Morgenluft schlug ihnen entgegen, rein und scharf. Sie stolperten auf einen asphaltierten Hof, umgeben von hohen Backsteinmauern. Rechts lag das Nordtor, ein massives Stahlgitter, noch verschlossen. Über ihnen wölbte sich der Himmel in einem fahlen Grau, das erste Tageslicht. Es war kurz nach sechs.
Sie ließen Klaus vorsichtig an der Mauer neben dem Tor abstützen. Sein Gesicht war aschfahl, die Augen lagen tief in dunklen Höhlen. Die beiden Schusswunden an seinem Bein waren notdürftig mit Streifen aus Heinrichs Hemd verbunden, aber die Dunkelheit um den Stoff herum breitete sich aus.
„Der Laster“, sagte Heinrich, sein Blick schweifte über den leeren Hof. „Wo ist er?“
Nadja ging ein paar Schritte in den Hof, ihre Augen suchten nach Spuren, nach dem Leben, das hier vor Minuten noch gewesen sein musste. „Weg. Sie sind früher gefahren.“ Sie bückte sich und hob eine noch qualmende Zigarettenkippe auf. „Sie haben nicht auf Sechs-Uhr-Dreißig gewartet.“
Klaus schüttelte mühsam den Kopf. „Sie wussten… dass das Kesselhaus nicht mehr sicher ist. Nach der Explosion.“ Er hustete. „Rahn… er hat den Zeitplan vorgezogen. Der Übergabeort…“
„Wo?“, fuhr Heinrich ihn an. Die Geduld, die er dreißig Jahre für diesen Mann aufgebracht hatte, war zu Staub verbrannt. „Klaus, wo übergibt er die Waffen?“
Klaus’ Augen suchten die seinen, trübe vor Schmerz und etwas, das wie Reue aussah. „Frankfurt. Ein Logistikzentrum am Flughafen. Frachtbereich Delta. Der Empfänger… ich habe nur einen Codenamen gehört. ‚Der Architekt‘.“
Nadja erstarrte. „Der Architekt.“ Sie spuckte das Wort aus wie Gift. „Harald hat den Namen in seinen verschlüsselten Notizen erwähnt. Keine Person. Ein Konsortium. Osteuropäisches Kapital, arabische Geldgeber, ein paar deutsche… Schatten.“ Sie trat näher an Klaus heran. „Das ist der dritte Mann. Der, für den Hollweg nur der Türöffner war. Rahn liefert ihm die Blaupause. Nicht nur Waffen. Das gesamte Netzwerk. Die Routen. Die bestochenen Beamten. Alles.“
Heinrich verstand. Es war kein Verkauf. Es war eine Übernahme. Rahn verkaufte sein Lebenswerk an einen noch größeren Fisch und verschwand mit der Beute. Und Klaus’ Versuch, alles zu zerstören, hatte ihn nur dazu getrieben, den Deal zu beschleunigen.
In der Ferne, jenseitz der Mauern, heulte eine Sirene auf. Näher als die anderen. Das Knistern und Bersten des brennenden Kesselhauses wurde lauter.
„Wir müssen weg“, sagte Nadja.
„Wohin?“, fragte Heinrich. Der gestohlene Bus war auf der anderen Seite des brennenden Gebäudes. Unerreichbar. Die Liste in seinem Kopf war wertlos, wenn die Struktur, die sie dokumentierte, in neue, mächtigere Hände überging. Hollweg in München war nur ein kleines Rad. Sie brauchten Rahn. Sie brauchten den Beweis, der die Lieferung mit dem Empfänger verband.
Sein Blick fiel auf Klaus. „Du hast mitgespielt. Du kennst die Protokolle. Wie bestätigt Rahn die erfolgreiche Übergabe?“
Klaus schloss für einen Moment die Augen. „Ein Anruf. Von einer bestimmten Telefonzelle am Übergabeort. Eine Nummer, die nur einmal wählt.“
„Und dann?“
„Dann löst Hollweg die letzte Zahlung von dem Treuhandkonto auf Zypern aus. An Rahns neue Identität.“
Da war es. Der Verbindungspunkt. Der Anruf war das Signal. Ohne ihn – keine Zahlung, kein sauberer Schnitt für Rahn.
„Wir müssen nach Frankfurt“, sagte Heinrich entschlossen.
Nadja lachte kurz und hart. „Mit was? Er hat uns den Bus genommen. Und er hat einen Vorsprung.“
„Nicht mit dem Laster“, widersprach Heinrich. Er ging zu dem massiven Stahlgitter des Nordtores, untersuchte das schwere Vorhängeschloss. Es war alt, rostig. „Er fährt einen schweren Kühllaster. Autobahn. Bei dem Berufsverkehr heute Morgen…“ Er wandte sich zu Nadja. „Du hast früher mal was von Motorrädern gesagt. In deinem Container. Für schnelle Fluchten.“
Ein langsames, gefährliches Lächeln breitete sich auf Nadjas Gesicht aus. „Eine BMW R 100. In einer Lagerbox. Fünf Minuten von hier.“
„Hol sie.“
„Und was ist mit ihm?“ Sie deutete auf Klaus.
Heinrich blickte auf seinen Freund herab. Auf den Mann, der sein Leben war und eine Lüge. Der ihn hierher geführt hatte, in diese Asche. Das Gesetz in ihm forderte eine Zelle für Klaus Mertens. Der Mensch in ihm sah nur einen sterbenden, gebrochenen Mann.
„Wir nehmen ihn mit“, sagte Heinrich, und seine Stimme ließ keinen Widerspruch zu. „Er ist unser Einlass-Ticket.“
***
Die BMW knurrte wie ein lebendiges Wesen zwischen Heinrichs Beinen. Nadja saß hinter ihm, ihr Körper presste sich gegen seinen Rücken, die Arme um seine Taille geklammert. Vor ihm, auf dem Tank, lehnte Klaus, an Heinrich festgeschnallt mit Gurten, die Nadja aus der Lagerbox geholt hatte. Er war bei Bewusstsein, aber schwach, sein Kopf wackelte mit jeder Kurve.
Sie hatten die Stadt über die Avus verlassen, den frühen Morgenverkehr geschickt schneidend. Der Wind peitschte ihnen ins Gesicht, kalt und reinigend. Die Geschwindigkeit betäubte Heinrichs Gedanken, ließ nur das Wesentliche zu: Die Straße. Das Ziel. Die sieben Namen, die jetzt wie ein unvollständiges Gebet in seinem Kopf rotierten. Hollweg. Weiland. Die anderen. Sie waren irrelevant geworden. Es ging nur noch um den Mann, der vor ihnen auf der Autobahn fuhr, und den, der ihn erwartete.
Kurz vor Frankfurt fingen sie den Laster ein. Ein weißer MAN Kühlfahrzeug, unauffällig, bis auf die tiefen Kratzer und die Delle am rechten Kotflügel. Heinrichs Herz machte einen Satz. Er fiel zurück, hielt Abstand, ließ ein paar Autos zwischen sich und das Ziel.
„Er fährt zum Flughafen“, rief Nadja ihm ins Ohr. „Cargo City Süd. Frachtbereich Delta.“
Sie folgten dem Laster von der Autobahn auf das weitläufige, von Zäunen und Sicherheitsschranken durchzogene Gelände des Flughafens. Hier herrschte schon reger Betrieb. Frachtmaschinen dröhnten im Landeanflug, Gabelstapler surrten zwischen riesigen Lagerhallen hin und her. Der Kühllaster bog in einen weniger befahrenen Bereich ab, zu einem langgestreckten, flachen Gebäude mit der Aufschrift „LHC Logistics“.
Rahn war vorsichtig. Er umkreiste das Gebäude einmal, bevor er an einer rolltorartigen Einfahrt an der Rückseite anhielt. Das Tor öffnete sich langsam, verschluckte den Laster, schloss sich wieder.
Heinrich parkte die BMW hinter einem Containerstapel in Sichtweite. Sie befreiten Klaus von den Gurten. Seine Augen waren glasig.
„Die Telefonzelle“, sagte Heinrich und suchte den Bereich ab. „Sie muss in der Nähe sein. Außerhalb des direkten Sicherheitsbereichs, aber mit Sicht auf die Einfahrt.“
Nadja entdeckte sie zuerst. Eine alte, gelbe Kabine am Rande eines Parkplatzes für LKW-Fahrer, etwa hundert Meter vom LHC-Gebäude entfernt. Der perfekte Ort.
„Jetzt“, sagte Heinrich zu Klaus. „Du wirst anrufen. Du wirst die Nummer wählen und sagen: ‚Die Ware ist im Haus. Alles sauber.‘ Nichts anderes.“
Klaus starrte auf die Telefonzelle. „Und wenn er nicht rangeht? Wenn es eine andere Bestätigung braucht?“
„Dann improvisieren wir“, sagte Nadja kühl und zog eine kleine, schwarze Pistole aus ihrer Jacke. Eine Makarow. „Aber du wirst es versuchen.“
Sie stützten Klaus zur Telefonzelle. Sein Atem ging flach und schnell. Heinrich hob den Hörer ab, warf eine Münze ein. Klaus wählte mit zitternden Fingern eine Nummer aus dem Gedächtnis. Sie schien endlos.
Dann klickte es. Ein Rufton.
Einmal. Zweimal.
Beim dritten Mal wurde abgehoben. Kein Hallo. Nur Stille am anderen Ende.
Klaus’ Stimme brach fast. „Die Ware ist im Haus. Alles sauber.“
Eine Sekunde Stille. Dann ein kurzes, dumpfes Klicken. Die Leitung war tot.
Klaus ließ den Hörer sinken. „Er hat aufgelegt.“
„Das reicht“, sagte Heinrich. Das Signal war gegeben. Jetzt musste Hollweg in München aktiv werden. Und Rahn würde das Gebäude verlassen, um seine neue Identität anzutreten. Sie mussten nur warten.
Sie zogen sich mit Klaus zurück in den Schatten der Container. Die Minuten zerrannen. Das Summen des Flughafens war ein konstantes, nervtötendes Surren. Heinrichs Blick hing an der Seitentür des LHC-Gebäudes.
Dann öffnete sie sich.
Viktor Rahn trat heraus, allein. Er trug eine dunkle Lederjacke und eine Aktentasche. Sein Gesicht war entspannt, fast heiter. Er warf einen letzten Blick auf das Gebäude, dann ging er zügig auf den Parkplatz zu, auf einen grauen Audi A6 zu.
„Jetzt“, flüsterte Heinrich.
Sie ließen Klaus im Schutz der Container zurück und bewegten sich im Zickzack über den Parkplatz. Rahn sah sie erst, als er seinen Schlüssel in die Hand nahm. Seine Hand fuhr blitzschnell unter die Jacke.
„Vergiss es, Viktor“, sagte Heinrich laut. Die Glock in seiner Hand war auf Rahns Brustkorb gerichtet. Nadja flankierte ihn, ihre Makarow auf Rahns Kopf.
Rahn erstarrte. Seine Augen, diese unscheinbaren, vergesslichen Augen, wurden kalt und scharf. Er ließ die Hand langsam sinken. „Steiner. Ich dachte, du hättest nichts mehr.“
„Ich habe eine Liste“, sagte Heinrich. „Und einen Zeugen, der sie mit Leben füllt.“ Er deutete mit dem Kopf zu den Containern. „Dein Geschäftspartner.“
Ein kaum merkliches Zucken lief über Rahns Gesicht. „Klaus ist tot. Verbrannt im Kesselhaus.“
„Überraschung“, sagte Nadja mit eisiger Stimme.
Rahn atmete langsam aus. „Was wollt ihr? Das Spiel ist aus. Die Ware ist übergeben. Das Geld ist unterwegs.“
„Nicht, wenn Hollweg erfährt, dass du den Empfänger verraten hast“, sagte Heinrich. Er log, aber er log mit der Überzeugung eines Mannes, der dreißig Jahre die Wahrheit gesucht hatte. „Dass du die ganze Transaktion aufzeichnen lässt. Für die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Als Versicherung.“
Rahns Kiefermuskeln spielten. „Bluff.“
„Probier es.“ Heinrich trat einen Schritt näher. „Der Architekt wird nicht erfreut sein. Ein Mann, der sein eigenes Netzwerk verkauft, kann auch ihn verkaufen. Denkst du, er lässt dich mit dem Geld laufen?“
Die Sicherheit in Rahns Augen begann zu bröckeln. Der kalkulierende Verstand arbeitete, suchte nach dem Fehler in der Gleichung. Heinrich wusste, sie hatten nur Sekunden.
„Du kommst mit uns“, befahl Heinrich. „Zur Polizei hier am Flughafen. Du machst eine Aussage. Über das Netzwerk. Über Hollweg. Über den Architekten.“
Rahn lachte leise. „Und dann? Zehn Jahre Knast gegen lebenslanges Schweigen irgendwo in Südamerika? Ich denke nicht.“
„Du hast keine Wahl.“
In diesem Moment öffnete sich die Seitentür des LHC-Gebäudes erneut. Zwei Männer in Anzügen traten heraus, begleitet von einem großen Mann mit schütterem blondem Haar und der Haltung eines Soldaten. Sie musterten die Szene.
Der blonde Mann – der Architekt? – erkannte Rahn. Dann sah er die Waffen. Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Er sagte etwas zu einem der Begleiter, der sofort ein Funkgerät zog.
„Zu spät“, sagte Rahn, und ein triumphierendes Grinsen verzog seine Lippen. „Jetzt seid ihr die Eindringlinge.“
Heinrich handelte instinktiv. Er schoss nicht auf Rahn. Er schoss auf den Audi, auf den vorderen Reifen. Ein lauter Knall, ein Zischen. Dann drehte er sich und feuerte eine Warnung in Richtung der Männer am Gebäude, die sie dazu brachte, in Deckung zu gehen.
„Zurück zu den Containern!“, brüllte er.
Nadja feuerte zwei Schüsse in Richtung des Gebäudes, um sie im Schach zu halten, dann rannte sie rückwärts, mit Heinrich an ihrer Seite. Rahn nutzte die Verwirrung, duckte sich hinter seinen platten Reifen und zog seine eigene Waffe.
Sie erreichten die Container, zerrten einen stöhnenden Klaus hoch. Sirenen heulten jetzt auf dem Gelände, näher kommend. Das Funkgerät der Männer am Gebäude knisterte.
„Das war’s“, keuchte Nadja. „Wir sitzen in der Falle.“
Heinrich blickte sich um. Container. Zäune. Flutlichtmasten. Und dann sah er es, fünfzig Meter entfernt: Ein Flughafen-Feuerwehrwagen stand vor einer kleinen Wache, die Tür offen, niemand in Sicht.
„Dort hin“, zeigte er.
Sie rannten, halb schleifend, halb tragend. Schüsse peitschten hinter ihnen, schlugen Funken aus dem Asphalt. Einer traf einen Container mit einem lauten *Pong*.
Sie erreichten den Feuerwehrwagen. Heinrich stieß Klaus auf den Beifahrersitz, Nadja sprang hinten auf. Er riss die Fahrertür auf, ließ sich ins Cockpit fallen. Der Schlüssel steckte. Ein Wunder des Leichtsinns.
Der Motor sprang an, ein kraftvolles Brummen. Heinrich trat das Gaspedal durch. Der schwere Wagen ruckte vorwärts, raste direkt auf den Zaun am Ende des Servicewegs zu.
„Halte dich fest!“, brüllte er.
Der Feuerwehrwagen durchbrach den Maschendrahtzaun wie Papier, rumpelte über einen Grünstreifen und landete mit einem dumpfen Aufschlag auf einer Zufahrtsstraße. Im Rückspiegel sah Heinrich, wie der graue Audi, jetzt mit einem Ersatzreifen, aus dem LHC-Gelände bog, verfolgt von zwei dunklen Geländewagen. Rahn. Und die Männer des Architekten.
Die Verfolgungsjagd führte sie vom Flughafengelände auf eine Landstraße, dann auf die Autobahn in Richtung Stadt. Der Feuerwehrwagen war schwer, unbeholfen, aber kraftvoll. Heinrich hielt ihn in der Mitte der Spur, blockierte die Verfolger hinter sich. Nadja kletterte nach hinten, zu den Schläuchen und Werkzeugen.
„Was machst du?“, rief er.
Als Antwort hörte er ein metallisches Rattern, dann ein Zischen. Ein weißer Strom schoss aus der Seite des Wagens – Löschschaum. Er traf die Windschutzscheibe des führenden Geländewagens, der sofort die Sicht verlor, von der Spur abkam und im Graben landete.
Der Audi von Rahn wich aus, kam neben sie. Heinrich sah Rahns wutverzerrtes Gesicht, sah die Mündung seiner Pistole.
Er riss das Lenkrad herum.
Die Front des Feuerwehrwagens rammte die Seite des Audis. Metall kreischte. Der Audi schlingerte, drehte sich einmal um die eigene Achse und kam quer auf der Fahrbahn zum Stehen. Der graue Geländewagen dahinter bremste heftig, ausweichend.
Heinrich bremste ebenfalls, brachte den Feuerwehrwagen zum Stehen. Er griff nach seiner Waffe, stieg aus. Die Autobahn war an dieser frühen Stunde noch leer. In der Ferne näherten sich die Sirenen der Polizei.
Rahn stieg aus seinem zerstörten Audi. Er blutete an der Stirn, aber seine Waffe war fest in der Hand. Er richtete sie auf Heinrich.
„Ein Unfall“, sagte Rahn heiser. „Ein verrückter Rentner in einem gestohlenen Feuerwehrauto. Wie tragisch.“
„Leg die Waffe hin, Viktor“, sagte Heinrich. Sein eigener Arm war ausgestreckt, die Glock rocksteady. „Es ist vorbei.“
„Für dich vielleicht.“
Der Schuss kam nicht von Rahn.
Er kam von der Ladefläche des Feuerwehrwagens. Ein einzelner, präziser Schuss. Er traf Viktor Rahn in die Schulter, ließ ihn mit einem Schrei rotieren, die Waffe flog aus seiner Hand.
Nadja stand auf der Ladefläche, die rauchende Makarow in der Hand, ihr Gesicht eine kalte Steinmaske. „Für Harald“, sagte sie leise.
Die Polizeifahrzeuge, blau-weiß und mit laut heulenden Sirenen, fuhren von beiden Seiten der Autobahn auf, schnitten sie ein. Beamte sprangen heraus, Waffen gezogen, Befehle schallten.
Heinrich ließ langsam seine Glock zu Boden gleiten. Er hob die Hände. Sein Blick traf den von Rahn, der am Boden kauerte, die Hand auf seine blutende Schulter gepresst. In diesen Augen war kein Triumph mehr. Nur die leere Erkenntnis der Niederlage.
Dann sah er zu dem Feuerwehrwagen. Durch die Scheibe sah er Klaus, der ihn ansah. Sein Freund nickte einmal, langsam. Es war kein Dank. Es war eine Kapitulation. Eine stumme Übergabe.
Die Beamten näherten sich vorsichtig. Einer von ihnen, ein älterer Wachtmeister mit ernstem Gesicht, musterte die surrealen Szene: den ramponierten Feuerwehrwagen, den zerstörten Audi, die verwundeten Männer, die Frau mit der Waffe auf der Ladefläche.
„Was zum Teufel ist hier passiert?“, fragte er.
Heinrich atmete tief ein. Die Luft roch nach verbranntem Gummi, Löschschaum und dem scharfen Geruch von Schießpulver. Hinter ihm ging die Sonne endgültig über den Hügeln auf, warf lange, klare Schatten über den Asphalt.
„Das Ende einer langen Geschichte“, sagte Heinrich Steiner. „Ich werde alles erklären.“